70 Jahre Dreikönigsreiter – oder: „Ein Königreich für ein Pferd!“

Drei Könige hoch zu Ross

Schon von weitem hört man die weihnachtlichen Weisen – die Heiligen drei Könige sind unterwegs! Alljährlich am 05. Jänner ziehen Caspar, Melchior und Balthasar durch Annaberg-Lungötz, spielen schöne Lieder und bringen Segenswünsche für das neue Jahr. Das besondere an diesem Brauch ist, dass er seit nun bereits 70 Jahren hoch zu Ross durchgeführt wird. Dreikönigsreiter sind im Bundesland Salzburg selten und wir sind alle sehr stolz auf diese Tradition.

Heilige drei Könige huldigen vor der Krippe (c)Sylvia Schober

Heilige drei Könige huldigen vor der Krippe (c)Sylvia Schober

Die Sache mit den Königen

In fast jedem Haushalt im Salzburger Land steht eine Weihnachtskrippe mit den vielen traditionellen Figuren, wie Josef und Maria, die Hirten, Ochse und Esel. Kommt am 24. Dezember das Christuskind in den Stall dazu, folgen am 6. Jänner die Heiligen Drei Könige mit ihren Gaben: Weihrauch, Gold und Myrrhe. Doch woher kommen die „Drei Weisen aus dem Morgenland“ und warum ziehen sie Anfang Jänner durch den Tennengau?

Fakt ist, dass der Evangelist Matthäus im neuen Testament nur schrieb: „Weise, Magier oder Sterndeuter kamen aus dem Morgenland, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen“ (Matthäus 2,1-12). Erst im 3. Jahrhundert kam die Sprache durch den Volksglauben auf drei Könige und im 9. Jahrhundert bekamen sie ihre Namen „Caspar, Melchior und Balthasar“. Erst seit dem 12. Jahrhundert werden die Könige den Kontinenten Afrika (Caspar), Europa (Melchior) und Asien (Balthasar) zugeordnet.

Die Dreikönigsreiter sind – vier!

2019 macht es den Dreikönigsreitern nicht einfach: Schneegestöber und Wind begleiten die Männer auf ihrem Weg zum 70-jährigen Jubiläum durch die Gemeinde: „In meinen 23 Jahren als Obmann haben wir den Ritt nur ein einziges Mal wegen dem Wetter auf den 6. Jänner verschoben. Das wollen wir vermeiden, die Menschen warten doch auf uns!“ Georg Lanzinger ist Obmann der Dreikönigsreiter und geht der Gruppe voran. Er weiß auch über die Anfänge des schönen und im Tennengau raren Brauchs Bescheid: „Bereits 1949 sind bei uns die Oberauer-Buam von Haus zu Haus gezogen und haben zum Dreikönigsfest gesungen“, erklärt er. Dem damaligen Bäckermeister Bartholomäus Schilchegger hat das gut gefallen, er stellte sich und ein Pferd samt Schlitten zur Verfügung und so ging es singend durch den Ort.“ Erst später nahmen die „Könige“ statt der Singstimme ihre Instrumente mit, statt des Schlittens saßen sie selber auf einem Pferd, allerdings: „Die weihnachtlichen Weisen klingen mit zwei Flügelhörner und zwei Tenorhörnern einfach voller und schöner, deshalb kam zu den drei Königen auch noch der Vorreiter dazu. Das übernimmt unser musikalischer Leiter, Sepp Oberauer.“

Ein langer Tag beginnt

Bereits um 7.00 Uhr in der Früh steht Monika Oberauer jeden 5. Jänner mit dem Pinsel bereit: „Ich bin zuständig, dass Kaspar, Melchior und Balthasar ein wenig Farbe ins Gesicht bekommen„, lacht sie.  Georg Lanzinger bereitet inzwischen die prächtigen Pferde für ihren Einsatz vor: „Bei uns empfinden es die Bauern als Ehre, ein Pferd für die Dreikönigsreiter zur Verfügung zu stellen„, meint er, „Es beeindruckt mich, dass sie dabei nichts für einen einzigen Hufnagel verlangen.“ Im Gegenteil, meist gehen die Pferdebesitzer sogar als Fußknecht mit den Königen den Weg durch die Gemeinde mit.

Um 9.00 Uhr stehen die Könige samt Pferden, Fußknechten und ein Rauchfassträger auf einem Pony in Lungötz bereit: „Wir werden alle vom Pfarrer gesegnet, bevor es losgeht„, sagt Georg Lanzinger, der als Obmann vorangeht und für die Sicherheit sorgt, zwei Sammler klopfen an den Haustüren und bitten um eine Gabe: „Wir werden überall sehr gut aufgenommen„, freut sich Lanzinger, „mich berührt es sehr, wenn ich etwa den Simon im Neubachtal alljährlich wieder begrüßen kann. Er ist mittlerweile über 90 Jahre und erwartet uns immer, das ist ein schöner Moment für die ganze Gruppe.“

Dreikönigsreiten für den guten Zweck

Beim Scherlbauer ist die letzte Station in Lungötz, bis hierher kommen die Spenden der Pfarre in Lungötz zugute: „Das gesammelte Geld in Annaberg wird traditionell zur Hälfte der Pfarre und zur Hälfte an einen sozialen Zweck in der Region aufgeteilt.“

Um 18.00 Uhr sind die Dreikönigsreiter dann vor der Kirche in Annaberg noch einmal hören. Sie blasen „Stille Nacht“, bevor sie sich zum wohlverdienten Abschlussessen, das der Pfarrer und die Gemeinde übernehmen, zusammensetzen.

Ich freue mich, wenn uns die Dreikönigsreiter besuchen. Es bedeutet mir viel, dass sie sich freiwillig und ohne Bezahlung auf den Weg machen, um anderen Freude zu bereiten. Mir, durch das Singen und Musizieren und den Menschen in Not, durch das Sammeln der Spenden. Wenn Ihr sie irgendwo unterwegs seht, dann hört ihnen doch einfach zu und freut Euch mit!

Wenn Ihr wissen wollt, wie es sich anhört, wenn die Dreikönigsreiter gemeinsam spielen, dann könnt Ihr hier hineinhören.

Die Dreikönigsreiter und ihr Gefolge vor der Pfarrkirche Lungötz (c)Sylvia Schober

Die Dreikönigsreiter und ihr Gefolge vor der Pfarrkirche Lungötz (c)Sylvia Schober

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