Mit den Sternsingern in Lungötz unterwegs

Sternsinger

Heute bin ich wirklich ein bisserl nervös, immerhin ist es das erste Mal, dass ich mit den Sternsingern mitgehen darf. Dabei halte ich keineswegs den Stern oder darf gar einer der Heiligen drei Könige, Caspar, Melchior oder Balthasar sein. Nein, ich bin nur der Fahrer der Weisen aus dem Morgenland …

Sternsinger: Warum sind sie unterwegs?

Sternsinger sind in Annaberg und Lungötz in mehreren Gruppen unterwegs. Pünklich um 8.00 Uhr hole ich „meine“ Könige vom Pfarrheim ab:  Laura ist König Balthasar und bringt dem Jesuskind „Gold“, Chiara ist Caspar und hat Myrrhe mit und Viktoria ist als Melchior unterwegs und schwenkt den Weihrauch. Maria ist unsere Sternträgerin. Fertig geschminkt singen sie unserer Mesnerin Kathi noch ihr Lied vor und sagen ihre Sprüche dazu auf. Für mich hat Kathi Ersatzweihrauch und Handzettel, auf denen steht, warum wir eigentlich unterwegs sind. Wir machen das nämlich nicht, damit die Mädchen eine Beschäftigung in den Weihnachtsferien haben. Nein, während andere noch tief schlafen, sind meine Könige unterwegs, um für Kinder in Not zu sammeln. 2015 steht die Aktion unter dem Motto: Gesunde Ernährung für Kinder weltweit.

Außerdem bekomme ich noch Kreide mit. In jedes Haus, in das wir kommen, werden wir oben am Türrahmen folgendes hinaufschreiben:

20*C+M+B+15. Der Stern steht für den Stern, dem die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sind. Symbolisch tragen die Sternsinger ihn mit sich; er ist Zeichen für Christus. C+M +B stehen für die lateinischen Worte „Christus Mansionem Benedicat“ – Christus segne dieses Haus.

Volkstümlich werden die drei Buchstaben als Kürzel für die überlieferten Namen der drei Weisen verstanden: Caspar, Melchior und Balthasar. Die drei Kreuze bezeichnen den Segen: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Gott ist Mensch geworden, um uns Menschen ganz nahe zu sein – auch im neuen Jahr.

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Oh Schreck, die Tasche ist weg!

So, nun geht es aber los: Wir fahren nun bis zum Schichlbauer, wo unsere Maria daheim ist. Das ist der letzte Hof im Neubachtal und von dort werden wir Richtung Ortszentrum unterwegs sein. Soweit der Plan – denn wie bekommt man drei Könige, den Sternträger samt Stern und das ganze Zubehör nur in meinen kleinen Suzuki Alto? Wir haben es gemacht, wie in der Quizfrage: Wie bekommt man 20 Clown in ein Clownauto? Tür auf, Clowns rein, Tür zu. Tatsächlich, wir haben alle reingepasst, sogar der Stern!

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Beim Schichlbauer angekommen, der erste Schreck: Die Tasche mit den Utensilien ist weg! Da hilft auch kein Suchen, sie bleibt verschwunden. Also steigen die Könige aus, Maria weiß ja „Hausbrauch“ und die Könige sind auch schon jahrelang unterwegs. Sie werden die erste Station allein erledigen, während ich nochmal zurückfahre. Am Parkplatz beim Pfarrhof liegt die Tasche im Schnee. Irgendwie ist sie gerissen, ohne dass wir es bemerkt haben. Jetzt aber schnell alles abputzen und wieder zurück. Die Könige warten schon, Handzettel, Kreide, „Gutes Neues Jahr!“ und schon sind wir weg.

Es ist schön zu sehen, wie sich die Menschen freuen, wenn wir kommen! Manche springen vom Schneeschöpfen durchnässt schnell aus der Dusche, um uns nur ja nicht zu übersehen, andere warten schon auf die Sternsinger und singen kräftig mit. Kinder schauen uns mit großen Augen an, Hunde beschnuppern uns und Gäste, die wir natürlich in ihrem Feriendomizil ebenfalls aufsuchen, sind ganz begeistert von diesem Brauch und Weihrauchduft. Überall singen die Könige ihre Lieder und wünschen ein gutes neues Jahr. Überall werden wir gut aufgenommen. So stapfen wir durch den Schnee, für längere Strecken zwängen wir uns in das kleine Auto. Dort singen die Mädchen fröhlich weiter.

Oh Pannenbaum …

Nach einer Kurve will ich mich vor einem Haus einparken, aber übersehe durch den ganzen Schnee, dass hier ein Graben verläuft und prompt hängen wir auch schon. Kein Vor und kein Zurück mehr. Da singt Viktoria von der Rückbank: „Oh Pannenbaum!“ und plötzlich sind die Mädchen aus dem Auto und stehen vor der Motorhaube. Das heißt, alle außer Laura, die hat sich nämlich ihr wallendes Gewand in der Autotür so eingeklemmt, dass sie gar nicht mehr aussteigen kann. Ich lege den Rückwärtsgang ein, die Mädchen schieben – und wir sind draußen! Jetzt wird noch Laura befreit und wir können weiterfahren.

Es schneit und wir haben noch einen weiten Weg. Da können wir einfach nicht widerstehen, als uns die Greti Leitenreiter auf Tee und Kekse einlädt, noch dazu wissen wir, dass sie besonders gute Kekse hat. So gestärkt geht es weiter. Beim übernächsten Haus ist es plötzlich aus: Der Stern sagt grad noch sein Sprücherl, Balthasar verhaspelt sich und Melchior muss bei der letzten Zeile improvisieren, weil auf einmal der Text weg ist. Bevor alle lachen müssen und die heilige Stimmung dahin ist, rettet uns Caspar mit lauter Stimme. Puh, das wäre peinlich gewesen!

Sterninnen

Jetzt sind wir schon ziemlich nass und hungrig, aber irgendwie möchten wir gar nicht aufhören. „Das Haus machen wir noch und dann ist Mittagspause“, sagen wir einige Male. Dann wieder raucht es im Weihrauchgefäß grade so schön, dass wir doch noch weitergehen. Als die Menschen schon überall beim Essen sitzen, hören wir dann doch auf und gehen zu Andrea Pomberger, die für uns schon gekocht hat. Herrlich, aus den nassen Sachen zu kommen und sich zum gedeckten Tisch zu setzen. Nach dem köstlichen Essen löst mich Anni Rieger ab, weil ich daheim Besuch bekomme. Die Sternsingerinnen werden aber noch einige Stunden durch den Schnee stapfen und den Menschen viel Freude bringen.

Vielen Dank allen Sternsingern für Euren Einsatz und herzlichen Dank allen freiwilligen Helfern! Und allen ein glückliches, friedvolles und gesegnetes Neues Jahr!

 

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2 Antworten auf Mit den Sternsingern in Lungötz unterwegs

  • War eine nette Überraschung uns im Internet zu sehen. Mama hat gesagt ich soll mal sehen
    welche Fotos bei Annaberg-Lungötz drin sind und nachher schrieb ich bei Google Schichelbauer rein und bumm ich und meine Freunde waren da. Wir haben gelacht bis zum umfallen
    Liebe Grüße Mary ***

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    • Hallo Mary, es war wirklich lustig mit euch und eine tolle Erfahrung! Und wenn ich das nächste Mal wieder in einem Graben feststecke, dann werde ich euch anrufen – ihr seid die Besten 😉
      Liebe Grüße, Sylvia

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